„Antisemitismus und Israelhaß unter Geflüchteten.“ Vortrag von Günther Jikeli: 27. Juni 2019, Universität Oldenburg (A07, Hörsaal G), 19:30

Seit dem Jahr 2015 flüchteten hunderttausende Menschen nach Europa und Deutschland, vor den verheerenden Bürgerkriegen in Syrien und im Irak. Erst nach einigen antijüdischen Angriffen, die von Flüchtlingen aus arabischen Ländern ausgingen, kamen Diskussionen über den Antisemitismus und Israelhass unter diesen Flüchtlingen auf.
Während die einen diese antisemitischen Einstellungen, die in arabischen Ländern zur Staatsdoktrin und zur Erziehung in Schulen und Moscheen gehören, als größte Bedrohung für Jüdinnen und Juden in Deutschland ansehen, wollen andere diese nicht gesondert thematisieren und verweisen auf den verbreiteten Antisemitismus, der auch ohne Zuwanderung in der deutschen Gesellschaft grassiert. Um Klarheit in diese Debatte zu bringen, hat das American Jewish Committee (AJC) den Historiker und Antisemitismusforscher Günther Jikeli mit einer empirischen Studie betraut. Hierfür wurden in Berlin 68 Geflüchtete aus dem Irak und Syrien in Gruppeninterviews befragt.
Die Ergebnisse der vermitteln ein differenziertes Bild. „Judenfeindliche Ressentiments, antisemitische Verschwörungstheorien und eine kategorische Ablehnung Israels sind bei vielen Flüchtlingen aus dem arabischen Raum weit verbreitet. Dies ist angesichts der tiefen Verwurzelung des Judenhasses in arabischen Ländern nicht verwunderlich. Dennoch hat uns die Klarheit einiger Aussagen überrascht. (…) Die Ergebnisse der Studie sind erschütternd, aber nicht alle Flüchtlinge sind gleich und unser Verständnis muss viel differenzierter werden. Gerade diejenigen, die in Syrien oder dem Irak als religiöse oder ethnische Minderheiten verfolgt wurden, positionieren sich häufiger gegen Antisemitismus und für Israel“, so Deidre Berger, Direktorin des AJC in Berlin. Eine aktuell laufende Folgestudie mit 85 Befragten bestätigt und erweitert diese Ergebnisse.
Günther Jikeli forscht und lehrt an der Indiana University und an der Universität Potsdam. Er ist Mitbegründer und Vorstandsmitglied des International Institute für Education and Research on Antisemitism, das in Berlin und London Büros unterhält.
Eine Veranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, AG Oldenburg und des AStAs der Carl-von-Ossietzky Universität Oldenburg

Ort: Universität Oldenburg (A07, Hörsaal G)
Zeit: 27. Juni, 2019, 19:30